Mein Weg zur Portraitfotografie

Vom Anfänger zum Enthusiasten

 

Für mich war der Weg zur Porträtfotografie eine Reise voller Entdeckungen, Rückschläge und wunderbarer Momente. Heute bin ich überzeugt, dass jede Kamera, jedes Objektiv und jede Erfahrung mich genau dorthin geführt haben, wo ich jetzt stehe: mitten in der faszinierenden Welt der Menschenfotografie. In diesem Bericht erzähle ich, wie alles begann und wie sich mein Stil und meine Ausrüstung im Laufe der Zeit entwickelt haben.

 

Die Anfänge – die Faszination des Moments

Alles begann Mitte der neunziger Jahre mit einer einfachen Olympus-Kompaktkamera. Diese kleine, handliche Kamera war mein ganz persönlicher Einstieg in die Fotografie. Sie war technisch weder herausragend noch besonders vielseitig, aber sie entfachte meine Leidenschaft, Momente festzuhalten. Es war die schlichte Freude, die Welt durch einen Sucher zu sehen und einzufangen, die mich von Anfang an in ihren Bann zog. Ein Meilenstein auf meinem fotografischen Weg war die Geburt meines Sohnes im Jahr 2011. Zu diesem Anlass kaufte ich mir meine erste digitale Spiegelreflexkamera – eine Canon 450D mit Kit-Objektiv. Diese Kamera eröffnete mir eine völlig neue Welt. Plötzlich hatte ich Zugriff auf manuelle Einstellungen und eine beeindruckende Bildqualität. Schon bald ergänzte ich meine Ausrüstung um verschiedene Festbrennweiten. Zu dieser Zeit richtete sich mein fotografisches Interesse jedoch vor allem auf zwei Menschen: meinen Sohn und meine Frau.

 

Der Wechsel in die analoge Welt

Nach einigen Jahren mit der 450D entschied ich mich 2018 für eine Canon M50 – doch die Vielzahl an Einstellungsmöglichkeiten frustrierte mich mehr, als dass sie mich inspirierte. Ich wollte mich wieder auf das Wesentliche konzentrieren: das Bild. Aus diesem Grund besann ich mich auf meine Wurzeln und kaufte mir eine analoge Canon A1. Die Arbeit mit der A1 brachte nicht nur Nostalgie zurück, sondern auch eine völlig neue Art der Fotografie in mein Leben. Ohne Display und ohne zahllose Automatikprogramme lernte ich, das Wesentliche eines guten Fotos zu verstehen: Licht, Komposition und Emotion. Bald folgten weitere analoge Schätze, wie eine Canon EF oder eine Canonet QL 17.

 

Der Einstieg in die Welt von Leica

Ein Schlüsselmoment war ein Facebook-Beitrag mit Fotos aus Paris, aufgenommen mit einer Leica M10 und einem 50-mm-Summilux-Objektiv. Diese Kombination faszinierte mich sofort, lag nach kurzer Recherche jedoch weit außerhalb meines Budgets. Stattdessen entschied ich mich für eine klassische Schraubleica, eine Leica Typ IIIa aus dem Jahr 1938. Diese Kamera brachte mir nicht nur die Geschichte der Fotografie näher, sondern führte mich auch in die Welt der analogen Dunkelkammerarbeit ein. Ich begann, Schwarzweißfilme selbst zu entwickeln und zu vergrößern – eine meditative und bereichernde Erfahrung, die meine Liebe zur analogen Fotografie weiter vertiefte. Unzählige YouTube-Tutorials halfen mir dabei.

Im November 2021 nahm ich an einer Veranstaltung bei Leica in Wetzlar teil. Zum ersten Mal befand ich mich im Herzen der 35-mm-Fotografie. Dort lernte ich die Modelle M3 und M4 kennen – und lieben. Wenige Wochen später kaufte ich meine erste M-Kamera, eine M3, gefolgt von einer M4 drei Monate später, zusammen mit dem Summicron 50 mm DR. Mit dieser Kombination begann ich, nicht nur Landschaften und Architektur, sondern auch Menschen zu fotografieren.

 

Der Schritt zur Porträtfotografie

Meine ersten Schritte in der Porträtfotografie machte ich mit meiner Frau. Mithilfe von „Posing-Büchern“ setzte ich sie in Szene und sammelte erste Erfahrungen. Schnell merkte ich, dass mich die Fotografie von Menschen ganz besonders faszinierte. Es folgten Shootings mit Freunden aus unserem Bekanntenkreis, und schließlich wagte ich mich an zwei professionelle Models.

Diese Shootings weckten in mir den Wunsch, die Porträtfotografie weiterzuentwickeln. Inzwischen hatte ich auch einen eigenen Instagram-Account erstellt. Unter dem Namen „el_chico_con_la_leica“ lud ich zunächst Fotos von Reisen und Städtetrips hoch. Relativ schnell folgten die ersten Porträts meiner Frau als Model. Die positive Resonanz auf Instagram gab mir das Selbstvertrauen, gezielt Models anzusprechen und eigene Projekte umzusetzen.

 

Mein Stil und meine Ausrüstung heute

Auf meinem Weg kamen und gingen viele Kameras. Zwischenzeitlich ergänzte ich meine Sammlung um eine Leica M6, die mir half, meinen Stil weiterzuentwickeln. Durch den Verkauf meiner M4 und M3 konnte ich mir schließlich eine digitale Leica M246 Monochrom leisten. Diese Kamera, die ausschließlich Schwarzweißbilder aufnimmt, wurde schnell meine Hauptkamera für Porträtshootings. Im Mai 2023 erweiterte ich meine Ausrüstung um ein Summilux 50 mm Asph., das zu meinem neuen Lieblingsobjektiv wurde. Diese Kombination – M246 Monochrom und Summilux – begleitete mich bei allen Shootings bis Ende 2023. Schließlich entschied ich mich, die M246 durch die moderne M11 Monochrom zu ersetzen, die bis heute mein treuer Begleiter ist.

Der Weg zur Entwicklung eines eigenen Porträtstils ist oft eine Reise voller Inspiration, Experimente und persönlicher Erfahrungen. Auch ich habe diesen Weg durchlaufen – von anfänglicher Unsicherheit und Orientierungslosigkeit hin zu einem Stil, der meine Handschrift trägt und mich erfüllt. Dabei habe ich viel über mich selbst, über die Menschen vor meiner Kamera und über die Kunst der Fotografie gelernt. In diesem Bericht erkläre ich, wie ich meinen Stil gefunden habe und was meine Arbeit heute ausmacht.

 

Erste Schritte: Inspiration und Unsicherheit

Wie viele Fotografen ließ ich mich zu Beginn stark von den Bildern anderer inspirieren – insbesondere auf Instagram. Die Plattform eröffnete mir eine riesige Welt beeindruckender Porträts, deren Perfektion mich förmlich anzog. Ich studierte Posen, Lichtsituationen und Bildbearbeitungsstile. Zur Vorbereitung auf meine Shootings griff ich sogar auf klassische „Posing-Bücher“ zurück, die detaillierte Anleitungen für perfekte Körperhaltungen und Gesichtsausdrücke boten.

In der Praxis war die Umsetzung jedoch alles andere als einfach. Besonders bei meinen ersten Shootings mit fremden Menschen war ich sehr nervös und unsicher. Wie inszeniert man jemanden so, dass das Foto sowohl technisch perfekt als auch emotional ansprechend ist? Ich hatte das Gefühl, ständig Anweisungen geben zu müssen, um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen. Die Posen wirkten oft steif und wenig authentisch – was mich zunehmend frustrierte und langweilte.

 

Ein Wendepunkt: Authentizität statt Perfektion

Nach einer Reihe von Shootings, mit deren Ergebnissen ich unzufrieden war, begann ich, meinen Ansatz zu hinterfragen. Mir wurde klar, dass ich mehr wollte als technisch perfekte Bilder oder „ideale“ Posen. Was mir fehlte, war Authentizität – das Einfangen echter Momente, Augenblicke, die nicht inszeniert, sondern lebendig und ehrlich sind. Der Moment zwischen den Aufnahmen.

Ich begann, die Idee loszulassen, jedes Shooting bis ins Detail zu planen. Stattdessen fuhr ich ohne festes Ziel und ohne konkrete Vorstellungen zu den Terminen. Ich ließ mich von den Gegebenheiten vor Ort inspirieren – vom Licht, von der Atmosphäre und von der Stimmung des Tages. Die Shootings fanden meist während gemeinsamer Spaziergänge an mir unbekannten Orten statt. So konnte ich die Umgebung auf natürliche Weise in meine Bilder einbeziehen.

 

Die Bedeutung von Vertrauen und Nähe

Ein zentraler Aspekt meiner Entwicklung war der Wunsch, die Menschen vor meiner Kamera wirklich kennenzulernen. Vor jedem Shooting nehme ich mir Zeit für Gespräche. Ich möchte wissen, wer sie sind, was sie bewegt und welche Facetten sie vielleicht selbst an sich schätzen. Dieser Austausch schafft nicht nur eine Vertrauensbasis, sondern hilft mir auch, ihre Persönlichkeit und Natürlichkeit in den Bildern einzufangen.

Mit der Zeit wurden meine Porträts immer intensiver. Ich begann, den Menschen näherzukommen – nicht nur körperlich, sondern auch emotional. Während ich anfangs häufig Ganzkörperaufnahmen machte, konzentriere ich mich heute auf Porträts, die durch Nähe und intime Perspektiven eine tiefere Verbindung vermitteln. Dabei experimentiere ich bewusst mit verschiedenen Blickwinkeln, um unterschiedliche Facetten einer Person zu zeigen.

 

Der Mut zur Freiheit

Einer der entscheidenden Faktoren für die Entwicklung meines Stils ist meine Herangehensweise. Da ich kein „klassisch ausgebildeter“ Fotograf bin, fühle ich mich nicht an feste Regeln oder Konventionen gebunden. Ich habe keine Angst davor, etwas „falsch“ zu machen, sondern lasse mich von meiner Intuition leiten. Dieser freie Ansatz erlaubt es mir, unvoreingenommen und flexibel zu arbeiten. Meine Shootings sind ruhig und entspannt. Ich gebe nur wenige Anweisungen und lasse die Menschen vor meiner Kamera oft einfach sie selbst sein. Dabei beobachte ich aufmerksam die Person, die Umgebung und das Licht, um natürliche und atmosphärische Aufnahmen zu schaffen. Es geht mir nicht um perfekte Inszenierung, sondern darum, den Moment und das Wesen eines Menschen einzufangen.

 

Die Rolle der fotografischen Ausrüstung

Ein weiterer wichtiger Aspekt meiner Arbeit ist meine Ausrüstung. Ich fotografiere ausschließlich mit der Leica M11 Monochrom und dem Summilux 50 mm. Diese Kombination ist für mich ideal. Die Leica M11 Monochrom ermöglicht es mir, unauffällig zu arbeiten – wie ein stiller Beobachter. Ihre Kompaktheit und ihr reduziertes Design sorgen dafür, dass sie keine Barriere zwischen mir und der fotografierten Person darstellt. Viele Menschen fühlen sich weniger eingeschüchtert und können leichter sie selbst sein.

Das Summilux 50 mm ist für meinen Stil das perfekte Objektiv. Es erlaubt mir sowohl gestochen scharfe Details als auch weiche Übergänge und stimmungsvolle Unschärfen. Ich fotografiere zu 99,9 Prozent mit Blende 1,4 und blende nur sehr selten ab. Diese bewusst reduzierte Ausrüstung hilft mir, mich vollständig auf das Bild und den Menschen zu konzentrieren.

 

„Unplugged Photography“

Ein Begriff, der meinen fotografischen Stil besonders gut beschreibt, ist „Unplugged Photography“. Der bekannte Frankfurter Fotograf Selim Say verwendet diesen Ausdruck für eine unprätentiöse, reduzierte Herangehensweise – und genau darum geht es auch in meiner Arbeit. Ich arbeite ohne komplexe Technik, ohne künstliche Lichtquellen oder aufwendige Inszenierungen. Mein Ziel ist es, die Schönheit und Einzigartigkeit eines Moments einzufangen, ohne ihn zu manipulieren.

 

Was mich inspiriert

Heute bieten die „neuen Medien“ eine nahezu unerschöpfliche Quelle der Inspiration – sei es durch Podcasts mit Fotografen oder durch die Online-Galerien auf der LFI-Website. Für mich sind jedoch klassische Fotoausstellungen und Künstlergespräche die wichtigsten Inspirationsquellen. Besonders die Ausstellungen in den verschiedenen Leica-Galerien in Deutschland faszinieren mich immer wieder. Sie zeigen eine beeindruckende Bandbreite an Arbeiten – von etablierten Künstlern bis hin zu aufstrebenden Talenten – und eröffnen neue Perspektiven auf das Medium Fotografie.

Auch die Artist Talks in den Leica-Galerien oder bei Leica in Wetzlar bereichern meinen Blick. Der direkte Austausch mit Fotografen über ihre Arbeitsweisen, Visionen und die Geschichten hinter ihren Bildern gibt mir neue Impulse und motiviert mich, meinen eigenen fotografischen Weg weiterzugehen.

 

Ausblick

Die Entwicklung meines Stils war ein Prozess, der Zeit und viele Experimente erforderte. Heute weiß ich, dass Authentizität und Nähe die zentralen Elemente meiner Arbeit sind. Jedes Shooting ist für mich eine neue Entdeckungsreise, bei der ich mich von den Menschen und der Umgebung inspirieren lasse. Ich bin überzeugt, dass der Weg zur Entwicklung eines eigenen Stils niemals abgeschlossen ist. Jede neue Begegnung, jede neue Erfahrung bringt mich weiter.

Und genau das macht Fotografie für mich so spannend: Sie ist eine ständige Einladung, die Welt – und die Menschen darin – mit neuen Augen zu sehen. Mit meinem Stil habe ich nicht nur meine eigene Stimme in der Fotografie gefunden, sondern auch eine Möglichkeit, echte Verbindungen zu schaffen. Für mich ist Porträtfotografie weit mehr als das Festhalten von Bildern – sie ist Ausdruck von Vertrauen, Respekt und Neugier. Und es sind die Begegnungen mit Menschen, die die Fotografie für mich so besonders und so wertvoll machen.